Kindernotarztdienst

Notfalleinsätze zur Erstversorgung von Kindern fordern sowohl vom Notarzt als auch vom Rettungsdienstpersonal eine große fachliche Kompetenz und stellen eine enorme psychische Herausforderung dar.

Eine gewisse Unsicherheit entsteht durch die ungewohnten Körpermaße, befürchtete Komplikationen bei invasiven Maßnahmen, mangelnde Routine beim Einsatz, der Dosierung von Medikamenten und dem Legen venöser Zugänge, Probleme bei der Anamneseerhebung sowie durch den psychischen Druck der Eltern, welcher ein sicheres und kompetentes Auftreten des Notarztes zusätzlich erschweren. Der Gesetzgeber fordert im Übrigen keinen speziellen Notarztdienst für Kindernotfälle.

 

Da diese relativ seltenen Kindernotfälle aber ein hohes Maß an Erfahrung und Routine des Behandelnden erfordern, wurde in München auf Initiative des damaligen Leiters der Abteilung für Pädiatrische Anästhesiologie, Prof. Dr. Karl Mantel sowie Ärzten der Intensivpflegestation des Dr. von Haunerschen Kinderspitals der Ludwig-Maximilians-Universität München und Rettungsassistenten der Berufsfeuerwehr München nach einer Anfangsphase der Kindernotarztdienst mit Beginn des Jahres 1990 offiziell eingerichtet. Als Transportmittel wurde ein speziell ausgerüstetes Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) in Dienst gestellt, das seit 1997 rund um die Uhr besetzt ist. Die Disposition und Alarmierung erfolgt wie auch bei den anderen Rettungsmitteln über die Integrierte Leitstelle der Berufsfeuerwehr München (ILST), die zentral die Einsätze des Rettungs- und Notarztdienstes sowie der Feuerwehr koordiniert.

Der Kindernotarzt (KNA) wird zusätzlich zu den üblichen Rettungsmitteln alarmiert (Parallelalarmierung), er ersetzt also nicht den konventionellen Notarzt. Mittlerweile ist das Kinder-NEF in den Bedarfsplan offiziell integriert.

Das Kinder-NEF ist gewöhnlich mit einem Fahrer (Rettungsassistent der Berufsfeuerwehr München) und dem Notarzt besetzt, zusätzlich kann ein Praktikant mitgenommen werden. Die Kindernotärzte sind Fachärzte oder Ärzte in Weiterbildung der Richtungen (Kinder-) Anästhesie, Kinderchirurgie und Pädiatrie. Ärzte, die am Kindernotarztdienst teilnehmen, müssen grundsätzlich die Qualifikation „Fachkunde Rettungsdienst“ nachweisen, die zur Teilnahme am Notarztdienst berechtigt. Da in dieser Ausbildung nur marginal auf die Versorgung von Kindern eingegangen wird, insbesondere spezielle Maßnahmen wie die Intubation bei Kindern oder das Legen venöser Zugänge bei Säuglingen und Kleinkindern usw. i.d.R. nicht gelehrt werden, müssen die Anwärter nun eine festgelegte „Zusatzausbildung“ klinikintern durchlaufen: Tätigkeit auf Intensivstation, sowie Routine im Umgang mit der Medikation bei Kindern, Übung in Intubation und Beatmung, usw.

Die eingesetzten Rettungsassistenten verfügen über die Erfahrung aus ihrer langjährigen Tätigkeit im Notarztdienst, haben verschiedene pädiatrische Praktika durchlaufen und nehmen regelmäßig an Fortbildungen teil.

In München existieren vier Kinderkliniken, die im wöchentlichen Wechsel an der Besetzung des Kindernotarztdienstes teilnehmen (Dr. von Haunersches Kinderspital, Kinderklinik KH Schwabing, Kinderklinik KH Harlaching, Kinderklinik Dritter Orden).

Seit dem Beginn 1988 (313 Einsätze) ist bis 1998 ein enormer jährlicher Zuwachs zu verzeichnen. Seit 1998 stabilisieren sich die Einsatzzahlen eher auf hohem Niveau mit geringeren Zuwächsen (2010 mit 2217 Einsätzen) (Abbildung).

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